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Szenario 3 | Vorarbeiter vs. Chef

Arbeiter im Gespräch

Einblick Bauvorhaben

In einer Firma, die Standardelemente für moderne Küchen auf Messen entwickelt, kommen mehrere Aufträge aus dem In- und Ausland zu.

Was ist das Problem?

Die Arbeiten können von der schnell wachsenden Belegschaft nicht mehr fachgerecht abgewickelt werden. Die Qualität der Ware und die fristgerechte Auslieferung leiden unter der Auftragsflut. Der Vorarbeiter beobachtet seit Längerem diesen Missstand und sucht das Gespräch mit dem Chef. Die Aussprache eskaliert, denn der Chef macht den Vorarbeiter für die Missstände verantwortlich.

So argumentieren die Konfliktparteien

Vorarbeiter:

Ich suche schon seit geraumer Zeit das Gespräch mit meinem Chef, doch der hat nie Zeit – und falls doch, ist er nur kurz angebunden. Ständig landet die Kritik unserer Kunden bei mir: Die Ware komme zu spät und die Qualität sei schlecht. Auch meine Mitarbeiter sind unzufrieden. Sie machen ständig Überstunden, haben keine freien Wochenenden mehr und der Krankenstand ist so hoch wie nie zuvor. Unter diesen Umständen und bei der miesen Bezahlung habe ich keine Lust mehr, länger im Unternehmen zu arbeiten.

Chef:

Der Chef ist nach Aussage des Vorarbeiters zu einer Mediation nicht bereit.

Was ist der Mediationsansatz?

Interessen klären

Interesse Vorarbeiter: Die Qualität der Ware muss gut sein, das Arbeitsklima und die Mitarbeiterzufriedenheit müssen stimmen. Die Bezahlung soll der Arbeitsverantwortung angemessen sein und die Wochenenden frei für Familie und Freunde.

Interesse Chef: Umsatz und Gewinn sollen ausreichend sein, damit die Firma auf dem hart umkämpften Markt bestehen kann. Die Mitarbeiter sollen auskömmlich bezahlt werden. Für den Fortbestand der Firma und den damit verbundenen Erhalt des Arbeitsplatzes muss jeder Mitarbeiter alles bringen.

Bedürfnisse benennen

Bedürfnis Vorarbeiter: Ich möchte Anerkennung für meine Verdienste und selbst über meine Arbeit und meine freie Zeit bestimmen. Der Erhalt meiner Gesundheit und mein soziales Leben sind mir sehr wichtig.

Bedürfnis Chef: Ich leiste viel für meine Firma, für die Entwicklung von kreativen Produkten und für meine Mitarbeiter. Dafür möchte ich Anerkennung.

One Party (Einzel-Mediation)

Mit dem Vorarbeiter wird eine Mediation durchgeführt. Der Chef ist fiktiv dabei. Es wird ein Gesprächsszenario entwickelt, das dem Vorarbeiter hilft, seine Interessen und Bedürfnisse dem Chef nahezubringen. Worst-Case-Szenarien werden durchgespielt.

Die Parteien erarbeiten Lösungsoptionen und treffen folgende Vereinbarungen:

  • Das nächste Gespräch findet nach der offiziellen Arbeitszeit statt; es sind keine Telefonate oder andere störende Einflüsse zu erwarten.
  • Die Themen sollen gut vorbereitet sein und sachlich vorgetragen werden.
  • Im Vorfeld kann auch eine E-Mail mit den Gesprächsthemen verschickt werden.
  • Das Gespräch wird auf Augenhöhe geführt.